Yogaphilosophie

Yoga? Im Alltagsverständnis ist die Bedeutung von Yoga aufgrund seines inflationären Gebrauchs zumeist abgeflacht. Hier meint Yoga vor allem Asanas (Körperpositionen), die regelmäßig geübt einerseits auf mentaler Ebene zu einer inneren Ausgeglichenheit, andererseits zu mehr Flexibilität und Stärke auf körperlicher Ebene führen.

Yoga als eine Lebensphilosophie betrachtet, bricht mit leidvollen Anhaftungen. Das menschliche Wesen geht in seiner Fähigkeit zu Urteilen oft fehl und seine Identifikationen sind nicht stimmig, es leidet. Indem der Weg des Yoga (Anschirrung, Verbundenheit) zugleich wesentlich ein Loslösen bedeutet, muss der Weg zu moksha (Befreiung)  immer wieder aufs Neue gefunden werden. Hier stützt unermüdliches Vertrauen (shraddha) in diesen Weg als auch unaufhaltsames Üben der Distanzierung (abhyasa, vairagya). Da Yoga stets präsent ist, ist das Eine nie außerhalb zu finden – die Kunst ist es, bewusst im Moment zu sein und diesen zugleich geschehen zu lassen, zu verweilen und doch weiterzuschreiten.

Yoga ist überall. Im Hinterfragen von möglichen individuellen Bedeutungen wird der Weg der Loslösung (Vairagya) geübt. Der Begriff Viyoga bedeutet gemäß der Samkhya-Philosophie (als ein theoretischer Hintergrund des Yoga) den Weg des Trennens, um von Leid bringenden Anschauungen hin zu Erkenntnissen einer gegenwärtigen Verwobenheit mit allem Seienden zu gelangen.

Yoga ist Praxis. Worte liefern lediglich eine Stütze hin zu einer individuellen Erfahrung; und hier wirken ganz wesentlich auch die Körperpositionen (Asanas), die eine Harmonisierung von psychophysischen Energien darstellen. Wer auf diesem Weg unermüdlich weitergeht, dem wird dieses Selbst relativ, nämlich relativ zu den vielen Einzelseelen (atman), die lediglich eine Aufsplitterung eines einzigen Bewusstseins (purusha) darstellen. Und diese Erkenntnis soll Befreiung (kaivalya), bzw. eine unermessliche Freude schaffen…


Ashtanga Yoga ist eine, auf dem klassischen Hathayoga aufbauende Tradition, die von K. Pattabhi Jois (26.7.1915 –18.5.2009) in Mysore begründet bzw. gelehrt wurde und im wesentlichen die Lehre seines Gurus T. Krishnamacharya fortführt. Ashtanga (ashtau = acht, anga = Glieder) bedeutet »achtgliedriger Pfad« und beschreibt innerhalb der Yogaphilosophie (Yogasutren des Patañjali) ursprünglich einen umfassenden Weg um Glückseligkeit (samadhi) zu erlangen. Pattabhi Jois verwendete den Begriff um den ganzheitlichen Aspekt seiner Lehre zu verdeutlichen, die in ihrer transformierenden Wirkung auf Körper und Geist gleichermaßen zugreift.

Im Ashtangayoga werden Körperpositionen (Asanas) in einer festgelegten Sequenz geübt. Sie sind über eine gezielte Atemtechnik (Ujjayi Atmung) miteinander verknüpft, sodass es zu einem meditativen Durchfließen der Serie kommt – Bewegung und Atmung wirken synchron zusammen (Vinyasa). Festgelegte Blickpunkte (Drishtis) bündeln die Aufmerksamkeit, energetische Körperverschlüsse (Bandhas) die Energie. Das Zusammenspiel all dieser Elemente gleicht bei regelmäßiger Übung immer mehr einem Tanz des Körpers mit Atem und Geist.
Der/die Schüler/in lernt Asana für Asana korrekt und achtsam auszuführen, schrittweise wird zu komplexeren Positionen übergegangen.

Unmittelbare positive Auswirkungen auf Körper und Geist unter anderem:

  • Spannungsdifferenzierungen werden erspürt: Gleichzeitige Entspannung und Aktivierung / Energetisierung
  • Muskeln werden zugleich flexibilisiert und gekräftigt
  • Der Stoffwechsel wird angeregt, Kreislauf und Nervensystem gefestigt, Organe werden in ihrer Funktionstätigkeit gefördert – die Kondition verbessert sich
  • Stress wird rascher abgebaut, geistige Ausgeglichenheit leichter erlangt, das Konzentrationsvermögen gesteigert
  • Der Augenblick wird bewusster erlebt